CMD-Behandlung – Craniomandibuläre Dysfunktion

Das Kiefergelenk – mehr als nur ein Gelenk

Beschwerden des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur – zusammengefasst als craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) – können sehr unterschiedliche Ursachen und Auswirkungen haben.
Häufig werden CMD-Beschwerden bei berufstätigen Frauen im Alter zwischen etwa 20 und 60 Jahren beobachtet. Möglicherweise spielen dabei verschiedene Faktoren eine Rolle. Dazu können hormonelle Veränderungen, berufliche und familiäre Belastungen, Stress und hohe eigene Ansprüche gehören.
Eine CMD ist jedoch keine reine „Stresskrankheit“ und kann grundsätzlich jeden Menschen betreffen.

Warum wird eine CMD manchmal erst spät erkannt?
Eine CMD zeigt sich nicht immer durch Schmerzen direkt am Kiefer. Manche Menschen bemerken zunächst Kopfschmerzen, Migräne, Nackenbeschwerden, Verspannungen oder Schwierigkeiten beim Kauen und Öffnen des Mundes.
Da Kiefer, Kopf und Hals eng miteinander verbunden sind, können sich Veränderungen in einem Bereich auf andere Bereiche auswirken.
Deshalb betrachten wir bei der physiotherapeutischen Untersuchung nicht nur das Kiefergelenk, sondern auch die Hals- und Brustwirbelsäule, die Muskulatur und die gesamte Bewegungskoordination.
Das bedeutet allerdings nicht, dass beispielsweise jeder Nackenschmerz durch eine CMD verursacht wird. Entscheidend ist immer
die individuelle Untersuchung.

Was ist eine CMD?

Schmerzen und Verspannungen können durch Stress, Schlafmangel und psychische Belastungen verstärkt werden. Gleichzeitig können länger anhaltende Schmerzen selbst zu schlechtem Schlaf, Erschöpfung, Gereiztheit oder einer verminderten Lebensqualität führen.
Es entsteht dadurch manchmal ein Kreislauf:
Stress → erhöhte Muskelanspannung → Schmerzen → schlechter Schlaf → noch mehr Anspannung.
Dieser Zusammenhang bedeutet nicht, dass die Beschwerden „nur psychisch“ sind. Schmerz ist immer ein echtes körperliches Erleben, bei dem körperliche, nervale und psychische Faktoren zusammenspielen können.

Auch Bruxismus, also Zähneknirschen oder starkes Aufeinanderpressen der Zähne, kann mit Beschwerden im Kieferbereich verbunden sein.
Untersuchungen zeigen beispielsweise Zusammenhänge zwischen Bruxismus und Kopfschmerzen bzw. Migräne. Ein solcher Zusammenhang bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Zähneknirschen die alleinige Ursache der Kopfschmerzen ist. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.


Das Kiefergelenk als Teil eines biokybernetischen Systems

Der Begriff „biokybernetisches System“ klingt kompliziert, beschreibt aber ein faszinierendes Prinzip unseres Körpers:
Unser Körper ist ein miteinander vernetztes System, das ständig Informationen aufnimmt, verarbeitet und seine Bewegungen und Spannungen anpasst.
„Bio“ steht für das Leben, „Kybernetik“ für Steuerung und Regelung.
Wenn wir beispielsweise den Kiefer bewegen, arbeiten nicht nur die Kaumuskeln. Gleichzeitig werden Informationen über Gelenke, Muskeln und Nerven an das Gehirn weitergeleitet. Das Nervensystem verarbeitet diese Informationen und stimmt die Muskelaktivität und Bewegung darauf ab.
Kiefer, Kopf, Augen, Gleichgewichtssystem und Halswirbelsäule stehen dabei in funktioneller Verbindung.
Man kann sich diesen Vorgang wie einen ständig arbeitenden Regelkreis vorstellen:
Wahrnehmen → Verarbeiten → Reagieren → erneut Wahrnehmen → Anpassen

Was bedeutet das für die Physiotherapie?

Wir fragen deshalb nicht nur:
„Wo tut es weh?“
Sondern auch:
„Wie bewegt sich der Körper? Wie hält er sich stabil? Welche Strukturen arbeiten zusammen? Und wo könnte dieses Zusammenspiel verändert sein?“
Der Körper versucht ständig, sein Gleichgewicht und seine Bewegungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Wenn sich beispielsweise die Funktion des Kiefers verändert, können sich auch Muskelspannung und Bewegungsmuster im Kopf- und Halsbereich verändern.
Umgekehrt können Beschwerden und Veränderungen der Halswirbelsäule Einfluss auf die Wahrnehmung und Funktion im Kieferbereich nehmen.
Es handelt sich also nicht um eine einfache Ursache-Wirkungs-Kette:
„Kieferproblem = Nackenschmerz“, sondern um ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Systeme.


Unser Ziel:
Bei der physiotherapeutischen Untersuchung möchten wir diese Zusammenhänge erkennen und herausfinden,
welche Faktoren bei Ihnen tatsächlich eine Rolle spielen.